"Das haben wir schon immer so gemacht!" - Warum dieser Satz Betriebe so viel kostet...
Aktualisiert: 28. Aug.

Es gibt Sätze, die hört man im Berufsleben immer wieder.
„Das haben wir schon immer so gemacht.“
Ein Satz, der meistens ganz harmlos klingt. Fast schon beruhigend.
Denn was man schon immer so gemacht hat, kann ja eigentlich nicht völlig falsch sein.
Es hat schließlich funktioniert. Irgendwie. Und genau da wird es spannend.
Denn irgendwann sitzt auf der anderen Seite jemand, der fragt:
„Aber warum machen wir das eigentlich so?“
Und plötzlich treffen zwei Welten aufeinander.
Gen Z trifft auf „Das haben wir schon immer so gemacht“
Die eine Generation kennt Arbeitsabläufe, die über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen sind.
Man weiß, welcher Ordner wo steht. Man weiß, welches Formular ausgedruckt werden muss.
Man weiß, wen man fragen muss, wenn etwas fehlt. Und man weiß vor allem: So läuft das hier.
Dann kommt die nächste Generation Und sie fragt. Nicht unbedingt, weil sie alles besser weiß.
Sondern weil sie wissen möchte, warum. Warum muss das ausgedruckt werden?
Warum muss ich das per E-Mail schicken, wenn es auch anders geht?
Warum gibt es für diesen Vorgang fünf verschiedene Excel-Dateien?
Warum muss jemand das Formular händisch übertragen?
Warum dauert etwas drei Tage, wenn es eigentlich in zehn Minuten erledigt sein könnte?
Und vielleicht ist genau dieses Fragenstellen eine der größten Chancen, die Unternehmen heute haben.
Nicht jede Tradition ist schlecht. Aber nicht jede Tradition ist noch sinnvoll.
Natürlich hat die ältere Generation nicht alles falsch gemacht. Im Gegenteil.
Viele Prozesse, die heute selbstverständlich erscheinen, sind über Jahre entstanden, weil sie irgendwann einmal die beste Lösung waren. Aber die Arbeitswelt hat sich verändert.
Technologien haben sich verändert. Kunden haben sich verändert.
Und vor allem: Menschen haben sich verändert.
Was vor 20 Jahren sinnvoll war, muss heute nicht automatisch noch sinnvoll sein.
Das bedeutet nicht, dass man alles Alte abschaffen muss.
Es bedeutet nur, dass man sich die Freiheit nehmen sollte, Dinge zu hinterfragen.
Denn „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist keine Begründung.
Es ist eine Beschreibung der Vergangenheit.
Die Frage, die eigentlich dahintersteckt
Wenn ein junger Mitarbeiter einen bestehenden Prozess hinterfragt, wird das manchmal als Kritik verstanden.
„Der ist doch erst seit ein paar Monaten hier.“ „Das haben wir schon ausprobiert.“
„Das funktioniert bei uns nicht.“ „Das ist eben so.“
Aber vielleicht steckt hinter der Frage gar kein Angriff. Vielleicht steckt dahinter einfach Neugier.
„Gibt es einen besseren Weg?“
Und genau diese Frage sollten Unternehmen zulassen.
Denn Erfahrung und neue Perspektiven müssen keine Gegensätze sein.
Die Erfahrung der älteren Generation kann dabei helfen, zu verstehen, warum bestimmte Dinge entstanden sind.
Die jüngere Generation kann dabei helfen, zu erkennen, ob sie heute noch gebraucht werden.
Das eine ohne das andere funktioniert nicht besonders gut.
Jean-Sébastien hat vielleicht gar nicht die bessere Idee
Vielleicht ist Jean-Sébastien mit seinem Tablet auch nicht automatisch derjenige, der recht hat.
Vielleicht kennt er den Prozess noch gar nicht gut genug.
Vielleicht übersieht er etwas, das sein älterer Kollege bereits vor zehn Jahren gelernt hat.
Aber vielleicht entdeckt er auch etwas, das alle anderen längst nicht mehr sehen.
Denn wer einen Ablauf jeden Tag genauso macht, bemerkt irgendwann nicht mehr, wie ungewöhnlich er eigentlich ist.
Man gewöhnt sich an Umständlichkeit.
Man gewöhnt sich an Wartezeiten.
Man gewöhnt sich an Papierstapel.
Man gewöhnt sich daran, dreimal nachzufragen.
Und irgendwann wird aus einem umständlichen Prozess einfach „unser Prozess“.
Bis jemand von außen kommt und fragt: „Warum eigentlich?“
Der eigentliche Generationenkonflikt
Vielleicht ist der Generationenkonflikt im Arbeitsleben deshalb gar nicht: Alt gegen Jung.
Vielleicht geht es vielmehr um zwei unterschiedliche Blickwinkel.
Die einen sagen: „Wir wissen, warum das funktioniert.“
Die anderen sagen: „Ich sehe, wie es funktionieren könnte.“
Und beides hat seinen Wert.
Was Unternehmen allerdings verlieren, wenn sie immer nur auf „Das haben wir schon immer so gemacht“ setzen, ist die Bereitschaft zur Veränderung.
Und Veränderung wird nicht weniger wichtig, nur weil ein Prozess bisher funktioniert hat.
Die entscheidende Frage ist nicht:„Funktioniert es?“
Sondern: „Ist das wirklich noch die beste Art, es zu machen?“
Was wir voneinander lernen können
Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, die Generationen gegeneinander auszuspielen.
Gen Z muss nicht automatisch alles Alte abschaffen.
Und die ältere Generation muss nicht jede neue Idee als unnötigen Trend betrachten.
Die einen bringen Erfahrung mit. Die anderen bringen neue Fragen mit.
Die einen wissen, was in der Vergangenheit funktioniert hat.
Die anderen fragen, was in Zukunft funktionieren könnte.
Das ist kein Problem.
Das ist ein ziemlich gutes Team. Vorausgesetzt, beide Seiten hören einander zu.
Denn Digitalisierung, neue Arbeitsmodelle und neue Technologien werden nicht daran scheitern, dass es keine Lösungen gibt.
Sie scheitern viel häufiger daran, dass jemand sagt:
„Das haben wir schon immer so gemacht.“
Und vielleicht sollten wir auf diesen Satz künftig nicht mehr mit Augenrollen reagieren.
Sondern mit einer einfachen Gegenfrage:
„Okay. Aber warum eigentlich?“

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